Prozessoptimierung

Process Mapping: Der komplette Guide für Einsteiger (2026)

Schritt-für-Schritt Anleitung zum Prozessmapping mit Templates, Tools und Best Practices.

12 min Lesezeit

Process Mapping – oder auf Deutsch Prozessmapping – ist der erste Schritt zu effizienteren Arbeitsabläufen. Bevor Sie automatisieren können, müssen Sie verstehen, was Sie automatisieren. In diesem Guide lernen Sie, wie Sie Ihre Geschäftsprozesse systematisch erfassen und visualisieren. Ergänzend dazu empfehlen wir unseren Artikel über Prozessoptimierung-Methoden.

Was ist Process Mapping?

Process Mapping ist die visuelle Darstellung eines Arbeitsablaufs von Anfang bis Ende. Es zeigt:

  • Welche Schritte in welcher Reihenfolge ablaufen
  • Wer für welchen Schritt verantwortlich ist
  • Welche Entscheidungen getroffen werden
  • Wo Daten fließen
  • Wo Engpässe und Probleme entstehen

Warum ist das wichtig?

Ohne klare Prozessdokumentation passiert Folgendes:

  • Wissen steckt in einzelnen Köpfen
  • Fehler werden wiederholt
  • Einarbeitung dauert ewig
  • Automatisierung scheitert
  • Ineffizienzen bleiben unsichtbar

Die 5 wichtigsten Process Mapping Methoden

1. Flowchart (Flussdiagramm)

Die klassische Methode mit standardisierten Symbolen:

  • Oval: Start/Ende
  • Rechteck: Aktivität/Aufgabe
  • Raute: Entscheidung (Ja/Nein)
  • Pfeil: Ablaufrichtung
  • Parallelogramm: Daten-Input/Output

Beste für: Einfache, lineare Prozesse

2. Swimlane-Diagramm

Erweitert das Flowchart um horizontale oder vertikale "Bahnen", die Verantwortlichkeiten zeigen.

| Vertrieb     | [Lead kommt rein] --> [Qualifizierung] -------->|

| Marketing | [Nurturing] --->|

| Sales | [Angebot erstellen] --> [Abschluss]

Beste für: Prozesse mit mehreren Abteilungen/Personen

3. BPMN (Business Process Model and Notation)

Der Industriestandard für komplexe Geschäftsprozesse:

  • Standardisierte Notation
  • Software-kompatibel
  • Detaillierte Ereignisse und Gateways
  • International anerkannt

Beste für: Unternehmensweite Prozessdokumentation, IT-Integration

4. Value Stream Mapping

Fokussiert auf Wertschöpfung und Verschwendung:

  • Unterscheidet wertschöpfende und nicht-wertschöpfende Aktivitäten
  • Misst Durchlaufzeiten
  • Identifiziert Wartezeiten
  • Stammt aus Lean Management

Beste für: Prozessoptimierung, Effizienzsteigerung

5. SIPOC-Diagramm

High-Level-Übersicht eines Prozesses:

  • Supplier: Wer liefert Input?
  • Input: Was wird benötigt?
  • Process: Was passiert (3-7 Schritte)?
  • Output: Was kommt raus?
  • Customer: Wer erhält das Ergebnis?

Beste für: Erste Prozessübersicht, Stakeholder-Kommunikation

Process Mapping in 6 Schritten

Schritt 1: Prozess auswählen

Beginnen Sie mit einem Prozess, der:

  • Häufig durchgeführt wird
  • Probleme verursacht
  • Mehrere Personen betrifft
  • Verbesserungspotenzial hat

Beispiele für erste Prozesse:
  • Rechnungsfreigabe
  • Urlaubsantrag
  • Kundenanfrage bearbeiten
  • Neukunden-Onboarding

Schritt 2: Stakeholder identifizieren

Wer ist am Prozess beteiligt?

  • Prozessverantwortlicher
  • Ausführende Mitarbeiter
  • Empfänger des Ergebnisses
  • Genehmigende Personen

Wichtig: Sprechen Sie mit ALLEN Beteiligten, nicht nur mit Führungskräften.

Schritt 3: Ist-Prozess erfassen

Dokumentieren Sie, wie der Prozess WIRKLICH abläuft – nicht wie er ablaufen sollte.

Interview-Fragen:
  • Was ist der Auslöser für diesen Prozess?
  • Was ist Ihr erster Schritt?
  • Was passiert danach?
  • Welche Entscheidungen treffen Sie?
  • Welche Tools/Systeme nutzen Sie?
  • Was sind häufige Probleme?
  • Wie lange dauert jeder Schritt?
  • Was passiert am Ende?
  • Schritt 4: Prozess visualisieren

    Erstellen Sie das Diagramm:

  • Start-Event definieren
  • Schritte in Reihenfolge anordnen
  • Entscheidungspunkte markieren
  • Verantwortlichkeiten zuordnen
  • Systeme/Tools annotieren
  • End-Event definieren
  • Schritt 5: Validieren

    Gehen Sie das Diagramm mit allen Beteiligten durch:

    • Stimmt die Reihenfolge?
    • Fehlen Schritte?
    • Sind die Verantwortlichkeiten korrekt?
    • Gibt es Ausnahmen?

    Schritt 6: Optimierungspotenziale identifizieren

    Für eine datengetriebene Analyse Ihrer Prozesse kann Process Mining eine wertvolle Ergänzung zum manuellen Mapping sein.

    Suchen Sie nach:

    • Wartezeiten: Wo liegt der Prozess still?
    • Doppelarbeit: Wird etwas mehrfach gemacht?
    • Medienbrüche: Wo wird zwischen Systemen gewechselt?
    • Manuelle Schritte: Was könnte automatisiert werden?
    • Engpässe: Wo staut es sich?
    • Fehlerquellen: Wo passieren häufig Fehler?

    Kostenlose Tools für Process Mapping

    Für Einsteiger

    ToolPreisVorteile
    MiroKostenlos (3 Boards)Intuitiv, kollaborativ
    LucidchartKostenlos (3 Dokumente)Viele Templates
    draw.ioKomplett kostenlosKeine Registrierung nötig
    Google DrawingsKostenlosIn Google Drive integriert

    Für Fortgeschrittene

    ToolPreisVorteile
    SignavioAb 25€/User/MonatBPMN-Standard, Enterprise
    CamundaOpen Source + EnterpriseDirekt ausführbar
    Microsoft VisioAb 5€/User/MonatOffice-Integration

    Process Mapping Template

    Hier ein einfaches Template für Ihren ersten Prozess:

    PROZESS: [Name des Prozesses]
    

    DATUM: [Erstellungsdatum]

    VERSION: [1.0]

    VERANTWORTLICH: [Name]

    TRIGGER: [Was löst den Prozess aus?]

    SCHRITTE:

  • [Wer] [macht was] [in welchem System]
  • → Dauer: [X Minuten]

    → Output: [Was entsteht]

  • [Wer] [macht was] [in welchem System]
  • → Dauer: [X Minuten]

    → Output: [Was entsteht]

    ENTSCHEIDUNG: [Frage]

    → Ja: Gehe zu Schritt X

    → Nein: Gehe zu Schritt Y

    [...]

    ENDE: [Was ist das Ergebnis?]

    PROBLEME/NOTIZEN:

    • [Bekannte Probleme]
    • [Verbesserungsideen]

    Häufige Fehler beim Process Mapping

    1. Zu viel Detail am Anfang

    Starten Sie mit dem Big Picture, dann zoomen Sie rein.

    2. Soll-Prozess statt Ist-Prozess

    Dokumentieren Sie erst die Realität, dann optimieren Sie.

    3. Nur eine Perspektive

    Fragen Sie alle Beteiligten, nicht nur den Chef.

    4. Keine Aktualisierung

    Prozesse ändern sich – Ihre Dokumentation sollte es auch.

    5. Zu komplexe Notation

    BPMN ist mächtig, aber nicht immer nötig. Keep it simple.

    Von der Prozessmap zur Automatisierung

    Ein gut dokumentierter Prozess ist die Basis für Automatisierung. Nach dem Mapping fragen Sie sich:

    Kann dieser Schritt automatisiert werden?
    • Regelbasiert? → Automatisierbar
    • Immer gleich? → Automatisierbar
    • Daten von A nach B? → Automatisierbar
    • Kreative Entscheidung? → Nicht automatisierbar
    • Menschliche Interaktion nötig? → Teilweise automatisierbar

    Automatisierungspotenzial nach Prozesstyp:
    ProzesstypAutomatisierungspotenzial
    Datenübertragung100%
    Benachrichtigungen100%
    Genehmigungen80%
    Dokumentenerstellung70%
    Entscheidungen (einfach)60%
    Kundeninteraktion40%
    Kreative Aufgaben10%

    Weiterführende Artikel

    Nächste Schritte

    Sie haben Ihre Prozesse gemappt und wollen automatisieren?

  • Priorisieren Sie Prozesse nach Aufwand und Nutzen
  • Wählen Sie das richtige Automatisierungstool
  • Starten Sie mit einem Pilotprojekt
  • Skalieren Sie erfolgreiche Automatisierungen
  • Process Mapping ist der erste Schritt. Der zweite ist die Umsetzung. Wir helfen Ihnen dabei, vom Diagramm zur funktionierenden Automatisierung zu kommen.

    Sie haben Fragen zur Automatisierung?

    Unsere Experten helfen Ihnen, die richtigen Entscheidungen für Ihr Unternehmen zu treffen.